Der goreanische Patient

Ich hab lange überlegt ob sich dieser Artikel überhaupt lohnt. Vieles was heutzutage in Foren oder Blogs als “Meinung zur Lage der Nation” gepostet wird, ist die Wiederholung der Wiederholung, die glaub ich keiner mehr lesen will. Es wundert mich kein Stück, das ein Ort wie das Gor Forum über die Jahre zu eine Parodie seiner selbst geworden ist.

Es ist gut das sowas kaum einer liest, bzw. erst liest und dann achselzuckend weitergeht. Man kann in der Zeit viel besser RP spielen und spart sich den depressiven Abfall der Leute, mit denen man eh ansonsten nichts zu tun hat. Ähnliches trifft auch für manche Blogposts zu. Es ist zwar in weiten Teilen richtig, was viele bemängeln, aber die Gesamtheit das Problem ist erheblich komplexer, als ein Artikel meist erfassen kann und nicht immer erreicht man, was man wollte. Nachdem Amidala hier ausführlich darüber schreibt das alles aber nicht so schlimm ist wie ich denke und das es ja eigentlich keine Probleme mit Sl Gor gibt , sondern nur “interessante Beobachtungen” (denen ich aber nicht im ganzen zustimmen kann- außerdem, glaub ich, hat sie mich falsch verstanden), darum hab ich auch ein bisschen was bei den Gorspielern beobachtet:

1. Die Lust darauf, schwarz-weiß zu sehen:
Wenn man die Bücher liest, wird man feststellen, das dort ziemlich viel möglich ist. Auch ist die goreanische Gesellschaft kein starres Konstrukt das unbrechbar ist- noch sonderlich komplex. Oft genug ist es Thema in den Büchern, das die “alten” Wege erstarrt sind und überholt werden müssen, damit Gor wieder blühen kann. Was findet man in SL? Diskussionen wie es SEIN MUSS. NCs die ganze Bücher zusammenfassen, aber keinerlei Erfahrung und Auseinandersetzung mit dem Thema ersetzen können und meist mehr schaden als nützen. Tausend Regeln und Rituale für Sklavinnen, in Stein gegossen, anstatt den Umständen angepasst. Was eine Rolle NICHT machen darf. Warum die Anderen ungoreanisch sind. Anstatt einfach zu spielen und offen aufeinander einzugehen, muss erstmal geklärt werden, ob man überhaupt dasselbe Spiel spielt. Es ist erstaunlich wie sehr die Spielermasse zu Herdentrieb neigt und gleichzeitig so sehr untereinander zerstritten ist, obwohl sie prinzipiell dasselbe will. Gemäß dem Motto “wenn du nicht für mich bist, bist du gegen mich” ist verständlich, das Diskussionen weder möglich noch erträglich sind.

2. OOC Drama und Zersplitterung der Spielerschaft:
Früher waren Männer Männer, Frauen Frauen und kleine plüschige Wesen von Alpha Centauri kleine plüschige Wesen von Alpha Centauri. Heute dagegen steht es kurz vorm Weltuntergang. Vielleicht wäre es mal ein Punkt zu versuchen miteinander zu reden, anstatt die drölfzigste BTB Sim aufzumachen in der Hoffnung das sich dort die wahren Gorspieler einfinden. Die Spielerzahlen stagnieren und die meisten wechseln auf andere Alts, damit muss man wohl leben, anstatt wieder nach einen neuen Sündenbock zu suchen (abwechselnd sinds die Männer, die femlaws und die Sklavinnen die Schuld sind). Ein weiterer Punkt ist diese überflüssige “heiliger-als du” Attitüde- komplett mit den ganzen tollen Etiketten die man sich über die Jahre ausgedacht hat. Was hilft es mir zu wissen, ob jemand eher Evolved, BTB, Rollenspieler, Lifestyler, Sich-selbst-Spieler, Trockenpflaume, femlaw oder Prinzessin ist? Spass lässt sich nun mal schlecht in Schubladen pressen. Und viele der Schubladen haben inzwischen nur noch eine negative Bedeutung mit denen man Leute betitelt, deren RP einem nicht gefällt. Also überflüssig wie ein Kropf.

3. Die schnarchlangweilige Profanität und Langeweile:
“Alltags-RP” (schon wieder so ein negativer Begriff) heißt eigentlich nicht, das man fleißig NLS Items farmt und ansonsten in der Taverne übers Wetter redet…oder als Höhepunkt des Abends eine Kajira bestraft, weil sie nicht Gedanken lesen kann T___T
Das beste Rollenspiel kann total alltäglich sein, aber wenn es repetitiv, zum Selbstzweck und gleichgültiges Abspulen wird, dann kann ich auch was anderes machen. Alltags- RP ist kein “und täglich grüßt das Murmeltier”, sondern im besten Fall eine unglaublich bewegende Geschichte, umso mehr weil man sie zu großen Teilen selbst gestalten kann. Es ist dabei unerheblich ob die Geschichte ganze Städte umfasst oder die Entwicklung einer Gefangenen zu einer überzeugten Kajira. Gor ist Fantasy und es braucht Drama (nicht OOc Drama) und Antrieb. Je stärker der Antrieb, je höher der Preis des Scheiterns ist, je farbiger, überzeugender und leidenschaftlicher die Gefühle sind, desto unvergesslicher die Geschichte. Auch wenn am Anfang wohl fast jeder wegen dem Sex und der Gesellschaftsordnung oder D/s mit Gor anfängt, so sind das letztendlich nur einzelne Elemente die durch eine Geschichte zusammengehalten werden. Oder wie Georga Martin es beschreibt:

“The best fantasy is written in the language of dreams. It is alive as dreams are alive, more real than real … for a moment at least … that long magic moment before we wake.

Fantasy is silver and scarlet, indigo and azure, obsidian veined with gold and lapis lazuli. Reality is plywood and plastic, done up in mud brown and olive drab. Fantasy tastes of habaneros and honey, cinnamon and cloves, rare red meat and wines as sweet as summer. Reality is beans and tofu, and ashes at the end. Reality is the strip malls of Burbank, the smokestacks of Cleveland, a parking garage in Newark. Fantasy is the towers of Minas Tirith, the ancient stones of Gormenghast, the halls of Camelot. Fantasy flies on the wings of Icarus, reality on Southwest Airlines. Why do our dreams become so much smaller when they finally come true?

We read fantasy to find the colors again, I think. To taste strong spices and hear the songs the sirens sang. There is something old and true in fantasy that speaks to something deep within us, to the child who dreamt that one day he would hunt the forests of the night, and feast beneath the hollow hills, and find a love to last forever somewhere south of Oz and north of Shangri-La.

They can keep their heaven. When I die, I’d sooner go to middle Earth.”
— George R.R. Martin

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Ich bin einer der vielen Spieler die dabei sind zu gehen und Gor hinter sich zu lassen, um mal die Tapeten zu wechseln. Es war schön, es war wild und nun ist es langsam mal vorbei. Zwar hat die Welt noch viel Potential, aber das ist nichts, das man nicht auch besser z.B. in der Welt von Conan spielen könnte, minus dieser absolut dämlichen Philosophie von Frauen als potentiellen Sklavinnen und Männern als absoluten Herrschern.
Das einzige was schade ist, sind die Spieler die man schätzt und die zurückbleiben. Die sind das Einzige, was mich dann doch ab und an mal wieder zurückholen wird.

Das hier wird vorraussichtlich mein letzter Post zur “Lage der Nation” sein.
Ich gehe davon aus, das er falsch verstanden, zerissen oder mit Achselzucken gelesen wird. Mir wäre es am liebsten, wenn man die Wortwahl einfach ignoriert und was ändern geht, egal was.

Wie RP machen…zum Beispiel JETZT *wegscheuch*

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